alea mimicry mythos
Rollenspiele (RPGs) als Phänomen zwischen Spiel und szenischem Vorgang. Meine Lizarbeit, eingereicht am Institut für Theaterwissenschaft der Universität Bern.
Haben Sie schon einmal ein Rollenspiel gespielt? Nein, nicht was Sie jetzt denken – und ich kann mit einiger Sicherheit davon ausgehen, dass Sie jetzt eben nicht an das selbe denken wie ich. Alles, was wir hier brauchen, ist Papier, Bleistift, Würfel und einen ganzen Haufen Fantasie.
Zwar gibt es inzwischen erstaunlich viele Rollenspielerinnen und -spieler, nicht zuletzt auch, weil Rollenspiele inzwischen zu einem Teil der Kultur geworden sind. Doch echtes Wissen darüber ist rar. Entweder, man weiss was es ist und hat auch schon mal gespielt, oder man kann mit dem Begriff gar nichts anfangen – und das, obwohl um die Rollenspiele eine regelrechte Subkultur gewachsen ist, die wiederum Auswirkungen auf die sie umgebende Kultur gehabt hat. Der Erfolg der Verfilmung von Tolkiens Der Herr der Ringe, der Siegeszug von World of Warcraft, das Weiterleben von Star Wars: das sind Anzeichen, dass hier eine Faszination für Fantasy und Science-Fiction entstanden ist – und zwar fast unbemerkt von der vorherrschenden Leitkultur. Rollenspieler bilden eine praktisch unsichtbare Subkultur, weil sie keine Vereinslokale brauchen, keine Plätze zum Demonstrieren, keine Trainingsorte; sie verziehen sich in ihr Wohnzimmer und spielen dort. Ganz unauffällig und leise. Hier, in den Welten von Aventurien, Faerûn, Azeroth, den Planeten der Handelsföderation, den Unterwasserstädten Cthulhus sind sie Helden und Schurken: Zweihänderschwingende Krieger, verschlagene Diebe, behände Elfen, grimmige Zwerge, ungehemmte Werwölfe, verführerische Vampire, edle Jedis, gerissene Kopfgeldjäger, elektronisch verbesserte Cyborg-Auftragskiller.
Und nein, bei den Spielern handelt es sich eben gerade nicht um Kinder, sondern um Jugendliche und noch viel mehr Erwachsene; und Nein zum Zweiten – diese Spiele werden eben gerade nicht am Computer gespielt. Deshalb finde ich das Phänomen interessant, und deshalb bin ich der Meinung, dass sich auch aus der Sicht der Theaterwissenschaft ein genauerer Blick darauf lohnt.
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